Fazit vom 3. Bildungskongress

Nun ist der Bildungskongress zwei Tage vergangen und ich habe die Eindrücke erstmal sacken lassen. Für die, die keine Zeit hatten den Stream zu verfolgen, werde ich hier nochmal die Kerndiskussionspunkte zusammenfassen.

Das Motto des Kongresses war „Kollektive Intelligenz – was wir von der Kapuzenshirt-Generation lernen können“.  Inhaltlich befassten wir uns mit dem Wertewandel der Generation, die mit dem neuen Medium Internet aufwächst. Damit einher gehen Fragen, wie z.B. was verändert sich am Verhalten der Digital Inhabitants („Netzbewohner“), die sich in Netzwerken austauschen und die Mitmach-Tools des Web2.0  nutzen?, wie lernt diese Generation? und wie sieht ein zukunftsorientierter Unterricht aus?

Herr Kruse hat eine Studie zu „Wie verändern die Netzwerke das Alltagsleben der Menschen?“ durchgeführt. Hier sind seine Folien zum Vortrag:

Eines der Ergebnisse war, dass die Macht vom Anbieter zum Nachfrager wechselt. Übertragen auf die Unterrichtswelt heißt es, dass der Lehrer nicht mehr der Wissensmonopolist ist, sondern dass sich auch seine Rolle verändert. Der Lehrer ist zukünftig ein Moderator, der die Schüler beim Lernen unterstützt und Wege ebnet oder Brücken baut beim Wissenserwerb. Hier ist es eben auch die Aufgabe des Lehrers zu vermitteln, wie und wo man zu den Informationen kommt.

Noch vor 10 Jahren spielte die Bibliothek eine sehr große Rolle. Ich habe meine Referate noch mit Freunden in der Bibliothek erarbeitet. Doch nicht nur dafür war sie da – wir haben uns auch in der Bibliothek getroffen um dort unsere Freizeit in den Leseecken zu verbringen.

Heute gibt es aber andere Orte, die für die Jugendlichen von großer Bedeutung sind. Sie treffen sich in virtuellen Netzwerken. Dort pflegen sie ihre Freundschaften und tauschen sich dort Informationen aus. Ein sehr beliebtes Hilfsmittel um Referate vorzubereiten, ist Wikipedia.

Diese Enzyklopädie ist aber eben auch mit Vorsicht zu genießen. Schließlich kann hier jeder sein Wissen oder auch Unwissen veröffentlichen. Genau wie man den Schülern den kritischen Umgang mit Printmedien vermittelt, muss man nun eben auch den Umgang mit Informationsträgern im Internet vermitteln. Das zu vermitteln geht aber nur, wenn man selbst weiß, welche Möglichkeiten, Chancen und Gefahren das Internet mit sich bringt.

Genau deshalb waren wir vor Ort beim Bildungskongress. Wir hatten nie vor gehabt dem Publikum zu suggerieren, dass sie nichts können oder nichts wissen.  Wir wollten die Lehrer und Ausbilder dazu motivieren sich die Werkzeuge des Web2.0 einmal genauer anzusehen. Wir hatten vor, die schon vorhandenen positiven Unterrichtssprojekte zu präsentieren, um die Anwesenden darauf neugierig zu machen. Leider ging das durch die stark polarisierenden Fragen der Moderatorin Steffi Neu daneben. So wurde eine Front zwischen die Digital Natives und dem Publikum aufgebaut und jede Position sah sich gezwungen zu verteidigen.

Dennoch so erscheint es mir,  haben wir zumindest ein Nachdenken beim Publikum erreicht. Damit sich aber etwas in den Köpfen der  Lehrer verändert, sollten vielmehr solche Veranstaltungen stattfinden.

Zum Abschluss präsentiere ich euch noch ein Video, welches Anne und ich in den Pausen drehten. Hier seht ihr ein paar interessante Statements.

Wie immer freue ich mich natürlich über eure Gedanken zum Thema: Einsatz von Blogs, Wikis und Podcasts im Unterricht und was denkt ihr, wie kann man die Lehrer motivieren sich dafür zu begeistern, die schon 10 oder 20 Jahre im Schuldienst sind.

10 Kommentare zu „Fazit vom 3. Bildungskongress“

  1. Oh je, schade dass Web 2.0 im schulischen, aber auch im unternehmerischen Umfeld (noch) nicht gelandet und verankert ist. Noch schlimmer, wenn darum Schlachten gefochten werden. Nun, es ist halt mehr als „nur“ Social Networks, Wikis und Blogs: Es ist eine Geisteshaltung u.a. auch wie man mit eigenem Wissen umgeht und mit wem man es teilen möchte. Für Lehrer,Manager aber auch Berufseinsteiger ist das „eigene“ Wissen unteilbar, da es (scheinbar) einen Wettbewerbsvorteil ist es nicht zu teilen. Welch ein katastrophaler Irrtum. Erfolge, auch in Unternehmen und in der Ausbildung werden die haben, denen es gelingt, Netzwerke zu schaffen um Lösungen zu finden und neues Wissen weiter zu verbreiten.Sich aber nur auf Wikipedia zu verlassen ohne eigenes Hirn ist sträflich. Vielleicht nennen es spätere Generationen den „Wikipedia Irrtum“

    Ich habe versucht mir die Mühe zu machen um die Slides von Herrn Prof. Kruse zu verstehen (ohne O-Ton da ich um diese Zeit dummerweise arbeiten musste), ich glaube er hat da schon recht. Doch warum muss man das so kompliziert (professoral?) ausdrücken? Ich liebe Twitter 😉

    So nun mein Coming out: Ich gehöre zur Fernsehgeneration

  2. Auch von mir danke für die Zusammenfassung!
    Ein Kommentar zu einer Formulierung:

    >Der Lehrer ist zukünftig ein Moderator, der die Schüler
    >beim Lernen unterstützt und Wege ebnet oder Brücken baut
    >beim Wissenserwerb. Hier ist es eben auch die Aufgabe des
    >Lehrers zu vermitteln, wie und wo man zu den Informationen kommt.

    Bei solchen Sätzen zucke ich jedesmal zusammen – denn sie suggerieren einen kompletten und radikalen Bruch mit dem Gewohnten. Das ist erstens unklug und zweitens falsch.

    Welcher (traditionelle) Lehrer baut denn heute noch seinen Unterricht hauptsächlich auf der Methode des „Lehrervortrags“ auf? Ich kenne niemanden, der in seinem Klassenzimmer eine Vorlesung hält. Auch der bisherige Unterricht hat doch bereits Elemente des Moderierens, erst recht wenn man die Methode „Lernen durch Lehren“ praktiziert. Auch das gute alte Stationenlernen geht in diese Richtung (wenn man es nicht als dezentrales Auswendiglernen organisiert).

    Ich bin sicher, es wäre für manche Lehrer einfacher zu akzeptieren, wenn man sagte: In den kommenden Jahren wird sich die Tätigkeit des Lehrers so verschieben, dass er die Schüler immer mehr zu eigener Lerntätigkeit motiviert, so dass die Schüler aktiv werden beim Wissenserwerb, statt sich passiv von der Lehrkraft berieseln zu lassen.
    Dabei berät er die Schüler bei der Wahl ihrer Informationsquellen und lernt ggf. auch von deren technischem Wissen.

    So in etwa. Nicht? 😉

  3. Ach, und als Nachsatz: Nichts gegen Vorlesungen! Wohldosiert (also selten) können sie sicher sinnvoll sein. Varietas delectat, immer noch.

  4. Hallo Peter,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Allerdings ist deine Aussage zur Rollenänderung doch ähnlich wie meine. Es ist interessant zu hören, dass in deiner Umgebung nicht nur ein lehrerzentrierter Unterricht stattfindet. Ich kenne auch einen Lehrer, bei dem der Frontalunterricht sehr gelungen ist, der auch nicht nur aus einer Vorlesung besteht. Aber das sind eben nur vereinzelte Beispiele. Während meinen Unterrichtspraktika habe ich wenig Methodenvielfalt von seiten der erfahrenen Lehrer erlebt. Auch in meinem Nachhilfekreis höre ich selten, dass die Schüler verschiedene Methoden kennen – maximal noch Gruppenarbeit.
    Das Grundproblem ist sicher, dass eben Methoden wie LDL oder Stationenlernen eine intensivere Vorbereitung brauchen und wie wir ja gehört haben, brauchen Lehrer ja auch Zeit für ihre Familien. Also geht man wohl den geringsten Weg des Aufwandes. Ich weiß, dass ist gerade sehr sarkastisch formuliert, aber ich glaube, dass genau die Lehrer, die den „einfachen“ Weg des Unterrichtens wählen, auch diejenigen sind, die keine Lust haben ein neues Medium im Unterricht zu integrieren.

    Aber um es nochmal deutlich zu machen: Ich, die das Internet und dessen Werkzeuge nutzt, werde einen Teufel tun, irgendjemanden zu zwingen seinen Unterrichtsstil zu ändern. Ich glaube die Zeit wird es mit sich bringen. Letztenendes macht ja nicht der Medieneinsatz einen guten Unterricht, sondern die ganze Planung von dem was wird wie und warum vermittelt. Aber das weiß ein guter Lehrer auch selbst. Da kann er auch ein ganzes Schuljahr frontal oder via Stationenlernen unterrichten.

  5. Von dem abgesehen, dass ich früher nie, außer für Referate und für ein paar private Bücher eine Bibliothek aufgesucht habe, und auch keinen gekannt habe der das getan hat, sind auch immer noch andere Orte außerhalb des Netzes für die heutigen Jugendlichen wichtig. Wenn z.B. Jugendliche gerne Skaten, dann benutzen sie evtl. das Web 2.0 für Austausch von Terminen, Fotos, Videos fürs Skaten, aber das Skaten an sich steht immer noch im Vordergrund und nicht das Netz. Ich bin ja immer noch froh wenn Schüler in der Freizeit/Schule mit klassischen, echten Karten spielen und nicht nur mit Handy und Co. Die Schüler wollen eben auch etwas „begreifen“. Etwas „begreifen“ verstehe ich dabei immer noch wörtlich. Allerdings bin ich froh dass aus dem Web 2.0 anscheinend keine Religion erwächst und Web-2.0-Unterricht kein Selbstzweck wird.

  6. Pingback: Literatenmelu feiert ihren vierten Geburtstag - Literatenmelu

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