Berlins Gretchenfrage: ProReli oder ProEthik?

Am 26.04.09 dürfen die Berliner bei einem Volksentscheid darüber abstimmen, ob das Fach Religion neben dem Fach Ethik als Wahlpflichtfach eingeführt werden soll. Was genau bedeutet diese Forderung der ProReli Initiative?

Die Initiative ProReli fordert, dass der Religionsunterricht als gleichwertiges Fach zum Ethikunterricht in der Schule etabliert wird. Die Konsequenz daraus ist folgende für Schüler und Eltern: Ist der Religionsunterricht ab Klasse 7 ein Wahlpflichtfach, so müssen sich die Schüler pro Schuljahr entscheiden, welches der beiden Fächer sie belegen wollen. D.h. ein Schüler, der das 14. Lebensjahr abgeschlossen hat und einer Religionsgemeinschaft angehört, entscheidet sich für Religion. Dann wird dieser ein Schuljahr im Sinne seiner Religion gebildet, erhält aber nicht mehr den wertneutralen Ethikunterricht. Im darauffolgenden Jahr besteht dann wieder die Wahlfreiheit – entweder Religion oder Ethik.

Stimmen die Berliner an diesem Wochenende für NEIN und damit für ProEthik, dann bleibt die Situation erhalten, wie sie bisher existierte. Die SchülerInnen haben Ethik als Wahlpflichtfach und können freiwillig zusätzlich am Religionsunterricht teilnehmen. Der Vorteil: Im Ethikunterricht werden die Lernenden aller Religionsgemeinschaften gemeinsam unterrichtet. Hier haben sie einen neutralen Raum gemeinsam über weltpolitische Themen zu diskutieren und können den jeweiligen Standpunkt mit ihrer religiösen Vorbildung offen mit den anderen besprechen.

Auch ich werde am Sonntag mein Kreuz bei NEIN setzen, weil ich denke, dass man mit einem wertneutralen Ethikunterricht die Demokratie- und Friedenserziehung sowie gegenseitige Toleranz und Respekt nachhaltiger fördern kann. Darüberhinaus bin ich der Meinung, dass die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft jedem freiwillig und selbst überlassen ist. Daher sollte auch der Besuch des Religionsunterrichts freiwillig und in der Freizeit stattfinden und nicht zu einer Pflicht gemacht werden.

Was denkst du dazu? Ich freue mich über eine rege Diskussion zur Gretchenfrage: ProReli oder ProEthik?

18 Kommentare zu „Berlins Gretchenfrage: ProReli oder ProEthik?“

  1. Ich kann die ganze Diskussion nur begrenzt verstehen, da ich nicht in Ostdeutschland geboren bin. Bei mir in Schleswig-Holstein hat man natürlich Reli-Unterricht gehabt. Was auch sonst? Es gab immer ein paar Religionsverweigerer für die man als entgegenkommen Philio-Unterricht angeboten hat. Ist ja das gute Recht von jedem auch auf Religion zu verzichten. Was ich nur nicht verstehe ist, wie man ohne Reli-Unterricht überhaupt die Grundlagen unserer Gesellschaft verstehen will. Es fehlt dann einfach der Sockel. Um das Wahlergebnis jetzt schonmal vorweg zu nehmen: Die Gegner des Reli-Unterrichts werden gewinnen. Das ist das gleiche Prinzip wie bei der Volksabstimmung um Tempelhof. In Westberlin werden die Leute mehrheitlich pro Reli stimmen, im größeren Ost-Teil wird man dagegen stimmen. 4 Jahrzehnte Kommunismus zeigen halt immernoch ihre Folgen. Hoffen wir nur, dass wir in ein paar Jahren nicht die Abstimmung Demokratie Ja/Nein haben.

  2. Ich würde auch mit Nein stimmen. Ich finde, Religionsbekenntnis ist Privatsache, dazu gehört übrigens auch das, keines zu haben. Aber Wissen ÜBER Religion(en)und darüber, wie sich die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte die Welt und ihre Stellung darin erklärt und nach welchen Anschauungen sie – davon abgeleitet – ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten regelt – das ist wichtig! Das gehört zum historisch-politischen Lernen und ist eines meiner Lieblingsgegenstände im Geschichtsunterricht gewesen.
    Wichtig finde ich auch, dass klar sein muss, dass Moral und Ethik nicht nur von Religionen „vertreten“ und definiert werden. Man muss keinen Gott haben und keiner Religionsgemeinschaft angehören, um Moral und Ethik zu haben. Das wird leider immer wieder vergessen, dabei ist die Erkenntnis nun schon so alt.
    Nicht ganz verstehe ich Deine Zuschreibung „wertneutral“ bei Ethik. Hältst Du denn die von Dir gewünschte Demokratie- und Friedenserziehung, sowie Toleranz und Respekt für wertNEUTRAL? Oder was verstehst Du unter „Werten“? Es scheinen mir doch gerade normative Werte zu sein, die Du verbreiten möchtest?
    Und ich bezweifle auch schon seit langem, ob man für Demokratie-Erziehung, Friedenserziehung, Toleranzerziehung … ein eigenes FACH braucht? Ist es nicht eine Frage der gesamten Schul- und Lernkultur? Kann man das überhaupt „theoretisch“ lernen? Ich meine nein. Es ist eine Frage der reflektierten Praxis mindestens ebenso wie der Diskussion um Anschauungen von Welt. Zu letzterem eignet sich übrigens am besten das „Fach“ Philosophie (in der die Ethik als Denkgegenstand übrigens als „Abteilung“ enthalten ist). Und das schon von Anfang an. Ich habe Lehrer mit Erstklässlern philosophieren sehen – wunderbar!

  3. Hallo Lisa,

    ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass bestimmte Werte und Tugenden wie z.b. Ehrlichkeit, Vertrauen, Höflichkeit, respektvoller Umgang miteinander etc. in allen Fächern vermittelt werden. Ich erinnere mich an meinen Biounterricht – hier haben wir im Teilgebiet Genetik über Genmanipulationen diskutiert oder im Physikunterricht über Segen oder Fluch von Erfindungen diskutiert.
    Im Geschichts- und Politikunterricht wird u.a. auch Demokratieverständnis vermittelt. Jedoch werden hier noch andere Fähigkeiten vermittelt und so können manche Themen da auch zu kurz kommen. Und hier bietet der Ethikunterricht die Möglichkeit sich mit den verschiedensten Religionen, den Menschenrechten und aktuellen Themen spontaner auseinanderzusetzen. Schließlich steht ja im GU das historische Wissen im Vordergrund und das Nachvollziehen von historischen Entwicklungen oder das Entstehen von Kriegen und deren Lösungen.
    Vielleicht hab ich mit „wertneutral“ einen falschen Ausdruck gewählt. Gemeint ist damit, dass der Ethikunterricht sich mit den Religionen und den Normen, die in einer Gesellschaft wichtig sind, objektiv auseinandersetzt als es meiner Meinung nach ein Religionsunterricht macht. In Reli wird die Welt aus der jeweiligen Sicht der Religion betrachtet und das kann doch nicht im Sinne unserer Schulkultur sein. Deshalb bin ich für den Ethikunterricht. Ganz nebenbei bemerkt: Ich hatte weder Religions- noch Ethikunterricht während meiner Schulzeit (1988-2001) und ich denke aus mir ist ein ganz passabler Mensch geworden.

  4. Hallo Johannes,

    ich bin ja auch für diesen gesellschaftlichen Sockel, aber eben objektiv. Deshalb bin ich ja für den Ethikunterricht als Wahlpflichtfach. Denn hier können die Kinder aller Religionen und aus den verschiedensten Erdteilen gemeinsam und nicht getrennt die Normen und Werte erlernen.
    Ich glaube nicht, dass wir einmal vor der Frage stehen werden Demokratie ja/nein – es sei denn es gibt ein noch gerechteres Staatssystem!

  5. Ich bin ganz klar gegen Religion als Wahlpflichtfach. Denn dann werden die Schüler nicht mehr neutral bzw. unabhängig von religiösen Werten (das ist mit „wertneutral“ gemeint, Frau Rosa) unterrichtet, deren Eltern einen religiösen Hintergrund haben. Dabei ist die Sicht auf die Welt aus verschiedenen Perspektiven, wie ich es vom Ethikunterricht erwarte, wichtig für eine multikulturelle Gesellschaft. Und Johannes, das Ganze hat auch wenig mit Ost oder West, Kommunismus oder Kapitalismus zu tun – genauso wenig wie bei der Tempelhof-Entscheidung – sondern mit „gesundem Menschenverstand“. Ich bin selbst im Westteil der Stadt aufgewachsen, habe eine evangelische Grundschule und am Gymnasium den Ethikunterricht besucht. Ich teile die Auffassung, Religion ist Privatsache und Moral bzw. Ethik nicht ausschließlich Religionssache. Was mich an der ganzen Kampagne von „ProReli“ besonders stört, ist das angebliche Freiheitsargument: schon heute hat jeder in Deutschland Religionsfreiheit und Schüler auch die Freiheit den Religionsunterricht zu besuchen. „ProReli“ zielt im Grunde aber doch auf das Gegenteil ab: die Pflicht sich zu entscheiden zwischen Religion- oder Ethikunterricht, statt der Freiheit auch beides zu besuchen. Die scheinbar gezielt fehlleitende „Propaganda“ mit Sympathieträgern wie Günther Jauch grenzt für mich schon an Wählermanipulation. Ein Grund mehr für „NEIN“ zu stimmen!

  6. In Hamburg gibt es auch Religionsunterricht. Der ist aber Bekenntnis übergreifend, d.h. es müssen alle wichtigen Religionen darin vorkommen (die monotheistischen ebenso wie Buddhismus u.a.)und schon gar nicht darf er auch noch in christl. Konfessionen unterteilt werden! Theoretisch kann der Unterricht von einem Christen, einem Muslim oder einem Juden (natürlich auch von Frauen) gegeben werden – vorausgesetzt, sie haben Theologie, Judaistik oder Islam studiert. (In der Praxis sinds natürlich trotzdem hauptsächlich wieder evangelische Christen, die den Unterricht geben.)

  7. Ich freue mich auf den nächsten Montag, da sind nämlich diese ganzen dämlichen Wahlplakate aus der Stadt verschwunden.
    Heute lag bei mir im Briefkasten eine Werbesendung vom Berliner Bischof Georg Kardinal Sterzinsky, darin schreibt er mir:
    „Die Gruppierungen, die den Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler ab Klasse 7 als Pflichtfach belassen wollen und darauf hinweisen, dass Religionsunterricht daneben zusätzlich auf freiwilliger Basis belegt werden könne, verwirren zurzeit mit ihren Werbeplakaten und -sprüchen“.

    So ein lächerliches Ätsche-Bätsche. Die Pro Reli-Leute nerven mit ihren Günter Jauch-Plakaten genauso, darauf zu lesen ist die pathetische Formulierung „Es geht um die Freiheit“.

    Ich werde mit „nein“ stimmen, eine einfache Entscheidung, fast so einfach, wie ich spießerhaft immer wieder die Grünen wähle.

  8. Hi Melli,

    nur um eine falsche Begriffsnutzung deinerseits kurz aufzuklären: du sprichst von Ethik als „Wahlpflichtfach“, welches in dieser Form erhalten bleiben solle. Gerade das Gegenteil ist der Fall, momentan genießt Ethik den Status eines ordentlichen Pflichtfachs für alle Schüler (keine Wahl zwischen mehreren Fächern möglich). Gerade das will ProReli abschaffen und aus Ethik ein „Wahlpflichtfach“ machen (Wahl zwischen Religion und Ethik).

    Ansonsten kann ich nur sagen, dass ein Schulfach in dem Werte und Normen vermittelt werden sollen, besser im Rahmen eines Unterrichts für alle Schülerinnen und Schüler umgesetzt werden kann. Also werde ich als Westdeutscher, der auch in seiner Schulzeit am Religionsunterricht teilnahm, natürlich gegen ProReli stimmen.

  9. Mir fehlt grundsätzlich das Verständnis, warum der Staat für Religionsunterricht zuständig sein soll. Ich komme zwar aus Westberlin und hatte auch selbst Religionsunterricht, bin aber nicht getauft o. ä. Meiner Meinung nach sollte es bundesweit ein Pflichtfach Ethik geben, um die Religion ganz in den privaten Raum zu bekommen. In unseren heutigen aufgeklärten Zeiten und angesichts der strikten Trennung von Staat und Kirche in unserem Land kann ich keine Verantwortlichkeit des Staates für die Religion Einzelner erkennen. Natürlich müssen gewisse Werte vermittelt werden, und da ich von mir behaupte, eher recht als links von der Mitte zu stehen, ist mir das ein großes Anliegen. Aber genau dies geschieht eben im Ethikunterricht. Und es ist immens wichtig, dass alle Schüler der verschiedenen Religionen und Kulturkreise miteinander diese Erfahrung machen und nicht separiert und konfessionell gebunden unterrichtet werden.

  10. Glücklicherweise leben wir in einer säkularisierten Gesellschaft, andernfalls würde man mich wohl für den folgenden Kommentar verbrennen …haha!
    Lieber Johannes, allein dass du es als „natürlich“ empfindest, Religionsunterricht gehabt zu haben, lässt mich mit dem Kopf schütteln… Die grundlegenden Werte unserer Gesellschaft wurden bekanntlich fast ausschließlich GEGEN die Kirche erkämpft, mit viel Blut und Leid. Viele Menschen scheinen immer noch dem Fehlglauben aufzusitzen, unsere gesellschaftlich akzeptierten Werte seien ein Produkt vornehmlich christlicher Religion, was faktisch einfach falsch ist. Sowohl die Demokratie als Staatssystem, als auch die Menschenrechte mussten gegen das Ethik- und Wertmonopol der Kirchen erkämpft werden. Und das ist auch gut so!!! Dass man nach den Errungenschaften der Aufklärung überhaupt noch streiten/abstimmen muss ob Ethik oder Religion wählbar sein sollen ist ein wahrlicher Rückschritt!
    Auch die Anspielung auf 40 Jahre Kommunismus ist völlig irrsinnig! Dir sollte bekannt sein, dass es höchst töricht ist, die Regierung eines Staates mit seinen Einwohnern gleichzusetzen. Wenn wir mal genau hinsehen, ist der Kommunismus (der ja bekanntlich gar keiner war) ja selbst eine Art Religion mit eigenen Schriften, „Heiligen“ und Wallfahrtsorten gewesen. Und selbst wenn wir das mal annehmen, ist es immer noch ein großer Fehler dies mit dem Großteil der Bevölkerung gleichzusetzen. Außerdem finde ich es weitaus erstrebenswerter jeder Art von Religion kritisch gegenüber zu stehen, so wie es vielleicht der Großteil der ostdeutschen Bevölkerung tut. Hier ist mir eine Orientierung an humanistischen und aufklärerischen Werten weitaus lieber als die an christlichen oder sonstigen Kirchen (NEIN, das ist keine Verteidigung des Kommunismus).
    Natürlich bin ich als angehender Geschichtslehrer für die Beschäftigung mit Religionen und eine damit verbundene kritische Betrachtung selbiger, aber humanistische Ideale sind meiner Meinung nach weitaus höher zu halten, in jedem Fach (zumal dies auch unsere Verfassung fordert).
    Weiterhin, wer wird Religion unterrichten? Wie sollen die Lehrer, die sich freiwillig in ihrem Glauben dazu verpflichten, Gott oder Allah oder sonstwen als EINZIGEN Gott anzusehen, objektiv die Ansichten anderer Religionen genauso engagiert vertreten, wie die ihrer eigenen? Meiner Meinung nach ist das ein theoretisches Wunschdenken. Und wenn ich entscheiden muss, ob ich mein Kind in die Hände dieser Leute geben kann oder nicht, stellt sich für mich die Frage eigentlich gar nicht. Religion ist Privatsache und hat in der Schule nichts zu suchen, jedenfalls nicht als eigenes Fach. Traurig genug, dass in einem säkularisierten Staat eine christliche Partei an der Regierung beteiligt ist…
    Wenn ich die Werteerziehung meines Kindes in der Schule als eigenes Fach unterrichtet sehen möchte, gibt es für mich gar keine andere sinnvolle Möglichkeit, als den Ethik- und/oder Philosophieunterricht. Schließlich muss ich, um zu wissen, dass ich nicht stehlen oder töten darf, weder religiös sein, noch dies in der Schule in einem speziellen Religionsunterricht beigebracht bekommen.
    Und nicht zu letzt bedeutet das politische Zugeständnis an die religiösen Lobbyisten eine planungstechnische Katastrophe für die meisten Schüler, es gibt ja nicht mal für die Pflichtfächer genug Lehrer. Sollte am Sonntag die Mehrheit der Berliner mit „ja“ stimmen, bringen sie die (meisten) Schulen in Teufels Küche, das sollte man vielleicht zumindest mal erwähnt haben…

  11. Ich finde der Ethikunterricht sollte sogar in allen Bundesländern eingeführt werden. Die gemeinsame und objektive Bildung von Schülern und Schülerinnen ist doch grundlegende Aufgabe der Schulen. Vom Ethikunterricht erwarte ich, dass alle Religionen mit ihren Auswirkungen angesprochen und auch kritisch betrachtet werden. Die Schüler und Schülerinnen können sich auf dieser Grundlage doch ehr eine eigene Meinung bilden und sich dann gegebenenfalls bewusst für eine oder die Religion ihrer Eltern entscheiden. Bei einem Wahlpflichtfach Religion fürchte ich eine einseitge Färbung, wenn hier nur eine Religion gelehrt wird, was der Toleranz und dem Verständnis gegenüber anderen Menschen und Religionen in unserer zunehmend internationaler werdenden Welt hinderlich sein kann.
    Das Werben von Prominenten in diesem Zusammenhang finde ich bedenklich. Leider wird hier offenbar bewusst mit Zweideutigkeiten geworben, was die Bevölkerung verwirrt. Zählen denn die eigentlichen Argumente nicht mehr? Gerade von einem Hr. Jauch, der als objektiver Journalist verstanden werden will, hätte ich das nicht erwartet.

  12. Alex hat einen vorzüglichen Kommentar verfasst. Einige Anmerkungen: Mit „Nein“ stimmen ist die richtige Antwort auf Bestrebungen in die Zeit vor der Einführung des preußischen Toleranzprinzips zurückzukehren.

    Erinnern sollten wir auch an die Tatsache, dass von Deutschland verursachte Weltkriege von Soldaten geführt wurden auf deren Koppelschlössern „Gott mit uns“ zu lesen war.

    Dringend erforderlich ist es, Verständnis für unterschiedliche religiöse Systeme zu wecken, ihre Leistungen und Werte, aber auch die Gründe für das Versagen darzulegen.

    Historische Ursachen und Inhalte philosophischer Systeme sollten im Fach Ethik vermittelt und deren humanistische Werte erörtert werden.

  13. Ich habe das Ganze gewissenhaft verfolgt, da meine Tochter gerade in der 7.Klasse ist.
    Sie sagt Mama stimme bitte mit nein ,ich will das es so bleibt ,wie es jetzt ist.
    Ich finde in einer Stadt wie Berlin, wo so viele unterschiedliche Religionen zusammenleben und lernen,ist es wichtig eine gemeinsame Basis zu schaffen.
    Deshalb ist auch für mich klar, das die Lernenden aller Religionen gemeinsam im Ethikunterricht unterichtet werden sollen. Wenn alle das Gleiche lernen,so werden sich am Ende alle besser verstehen und können so auch besser zusammenleben.
    Die jeweilige Religion ist Privatsache und gehört in die Freizeit,jeder kann sie dort Ausüben oder Pflegen wie er will.
    Ich bin für ProEthik und meine Stimme am Sonntag ist „nein“.

  14. Hallo Melanie,

    da ich keine Ahnung habe von den religiösen Strukturen in Berlin, kann ich nur hoffen, dass ProEthik sich durchsetzt. Meine Erfahrungen sind vielfältig, da ich in drei verschiedenen Bundesländern zur Schule gegangen bin. Schleswig-Holstein: Pflichtfach Note 5. Warum? Weil ich dort in Strukturen gepresst wurde, in die ich nicht rein gehörte.
    Hamburg: Pflichtfach Note 5. Gleiches Bild. Nrw: Ethik, Note 2. Warum? Weil es gilt die komplexen religiösen Systeme zu verstehen, zu hinterfragen und zu beleuchten – ob ich mich für oder gegen eine Religion entscheide, blieb mir immer freigestellt.

    Liebe Grüße, Mel

  15. Weder Ethik, noch Religion! Wie schon geschrieben kann alles ethische wunderbar in JEDER Schulstunde des Tages (vor) gelebt und weiter gegeben werden, sollte es auch! Sonst ist es so wie mit der Beichte: Sonntags beichten und alles wird vergeben… Ethik als Alibi… künstlich als Fach integriert, warum? Ethik in den Schulen gelebt – da kann etwas gelernt werden. Bei Schülern und Lehrern 😉

    Religionen sind wichtig bzw. ist es wichtig die geschichtlichen und kulturellen Zusammenhänge zu verstehen – das Hamburger- Modell klingt für mich überzeugend. Genauso gut kann es in Geschichte stattfinden.

  16. Hi!

    Also ich werde gegen die Gesetzesinitiative stimmen. Ein Wahlpflichtfach Ethik/Religion, das kommt für mich nicht in Frage. Ich plädiere für einen laizistischen Zugriff, d.h. – für mich -, dass es nicht Aufgabe der Schule bzw. des Staates sein sollte, einen Religionsunterricht zu organisieren. Religion ist für mich eine reine Privatsache. Die Schüler, die einen Religionsunterricht besuchen wollen – oder soll ich vielmehr sagen, die Schüler, die das von ihren Eltern aufgedrückt bekommen -, können gerne einen Religionsunterricht besuchen, aber dann eben bitte als zusätzliches Fach.

    Des Weiteren denke ich, dass die Möglichkeit eines Wahlpflichfaches Religion brisant ist in Anbetracht des Profils der „Berliner Schule“. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Integration von Schülern deutscher und nicht deutscher Herkunft. Ein gemeinsamer Unterricht in Form des Faches Ethik erachte ich als sinnvoll… eine Separierung der Schülerschaft in Ethik bzw. Religion kann Tendenzen und Differenzen zwischen den Schülern erzeugen und verstärken, die latent gegeben sind. Zu diesen Diskrepanzen sollte die Schule mit der Möglichkeit des Faches Religion nicht noch zusätzlich „Öl ins Feuer schütten“.

    Ich bin selber Lehramtsstudent und auch in der christlichen Kirche aktiv. Während meines Studiums und speziell meiner Praktika in der Schule habe ich sehr negative Erfahrungen gemacht mit dem freiwilligen zusätzlichen Religionsunterricht. Da gibt es sehr viele verborgene und aber auch offene Spannungen zwischen den Mitgliedern religiöser Gemeinschaften. Das sollte die Schule mit einem Wahlpflichtfach auch nicht weiter verschärfend unterstützen…

    In letzter Zeit habe ich mich sehr viel mit dem Koran beschäftigt. Das ist jetzt vielleicht nicht das Argument non plus ultra, aber speziell die fünfte Sura im Koran finde ich sehr bedenklich – natürlich ist die Bibel sowie auch das Alte Testament als ein Teil dessen nicht ganz frei von radikalem Potential.
    Das Problem ist doch, dass jede große monotheistische Religion einen Absolutheitsanspruch vertritt. Ich kann es mir nicht vorstellen, wie man angesichts dieser Tatsache (ich wiederhole mich: siehe 5. Sura) ein tolerantes Religionsbild vermitteln will – also auch im Hinblick auf andere Religionen.

    Abschließend: Ich bin für einen gemeinsamen Unterricht der Schüler, nicht für eine Separierung.
    Was darüber hinaus stattfindet, das sollte freiwillig und zusätzlich sein.

    Gruß

  17. Christian Weber

    Die Abstimmung war ja nun sehr eindeutig dagegen. Ich finde es bedenklich, die Religion zur „Privatsache“ zu erklären. Ich denke jeder sollte verpflichtet sein, sich mit den Religionen auseinander setzten zu müssen, und das eher informativ als verherrlichend. Auf welchem Weg auch immer das zu realisieren ist. Denn nur so erreichen wir Toleranz, Verständnis und vor allem Respekt vor dem „Fremden“.

    Gruß
    Christian

  18. Hallo zusammen!

    Die Wahl ist ja nun vorbei und genauso ausgegangen wie ich es (oben) prognostiziert habe. In Westberlin haben die meisten dafür und im größeren Ostberlin die meisten dagegen gestimmt.:-)

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