Interview mit Daniel Engert

Heute folgt nun das nächste Interview. Der TAZ-lesende Daniel und ich gehen seit 2005 gemeinsam durch das Geschichtsstudium. Auch er wird im nächsten Jahr mit den Examensprüfungen beginnen.

Daniel, 32 Jahre jung, studiert Politikwissenschaft und Geschichte an der TU-Berlin. Auch er wird in naher Zukunft das erste Staatsexamen absolvieren und dann als Studienrat in den Schuldienst eintreten.

Hier sind nun seine Antworten zum deutschen Bildungssystem.

1.  Was sagst du zum Einsatz der neuen Medien im Unterricht?

Naja, die werden in der Zukunft (die schon ’ne ganze Weile begonnen hat) unverzichtbar sein. Außerdem halte ich Vielfalt für das oberste Gebot, d.h. Internetnutzung und gewöhnliche Tafelarbeit haben jeweils ihre Berechtigung.

2. Welche Internetapplikation findest du für den Unterricht spannend (Weblog, Podcast, Wiki)? Warum?

Ehrlich gesagt, könnte ich mir alle drei Varianten im Unterricht vorstellen. Das kommt auf die Art des Projektes an. Wen möchte ich erreichen mit welchen Mitteln? Soll Öffentlichkeit hergestellt werden oder ein
internes Diskussionsforum geschaffen werden? Prinzipiell ist vieles vorstellbar, wichtig ist, dass mögliche Vorteile und Nachteile abgewogen werden und die Frage nach dem Mehrwert für die SuS nicht aus dem Blickfeld gerät.

3. Du studierst Politikwissenschaft und Geschichte – siehst du Verbindungspunkte in beiden Fächern?

Ja, unbedingt. Kaum ein politisches Phänomen lässt sich ohne historische Hintergründe erklären. Beide Fächer gelten als charakterbildend, eine Aufgabe, die sich Schule viel stärker zu eigen machen sollte. Gerade wenn ich an die nach wie vor steigende Politik- und, was noch viel gefährlicher ist, Demokratieverdrossenheit denke, sollten diese beiden Fächer durch entsprechende Interdisziplinarität dem entgegenwirken.

4. Als angehender Lehrer: Was sagst du zur Bildungsmisere in Deutschland?

Tja, was soll man dazu noch sagen… Es gibt richtige Ansätze in der Bildungspolitik dieser entgegenzuwirken (z.B. Evaluation von Unterricht, Qualitätsmanagement, auch kompetenzorientierter Unterricht könnte helfen).
Aber um diese Instrumente wirksam einsetzen zu können, müssen die Rahmenbedingungen verändert werden. Dazu gehört auch, die Bildungsetats der Länder ordentlich anzuheben und entsprechend mehr Lehrer und pädagogisches Personal in die Schulen.

5. Welche Möglichkeiten siehst du, um dagegen anzukämpfen und wieder Lernmotivation bei den SuS auszulösen?

Auf persönlicher Ebene kann ich nur hoffen, meinen Unterricht derart zu gestalten, dass meine SuS Interesse und Spass am Gegenstand meines Faches entwickeln. Gelingt mir das, dann bin ich bester Dinge, dass meine SuS bei PISA überdurchschnittlich abschneiden  🙂

6. Welche Motivation steckt in dir Lehrer zu werden?

Die Arbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen finde ich spannend, vielleicht gelingt es mir, den jungen Menschen etwas auf ihren weiteren Lebensweg mitzugeben und sie erinnern sich später an mich und sagen: „Ja der Engert war schon ne coole Sau!“

7. Was hältst du von Teamteaching bzw. dass Lehrer nicht mehr als Einzelgänger arbeiten sondern als Team sich z.B. Unterrichtsmaterialien austauschen?

Klar, das ist unheimlich wichtig. Warum eigentlich immer nur eine Lehrperson vor der Klasse? Vielleicht ist es auch sinnvoll mit zusätzlichem pädagogischen Personal gemeinsam zu unterrichten.

8. Was muss deiner Meinung nach in der Lehrerausbildung geändert werden?

So gut wie alles. Viel mehr Praxis, mehr Didaktik!

9. Was sind deine guten Vorsätze für 2009?

Mit dem Rauchen aufhören…

Vielen Dank für Deine spontanen Äußerungen. Ich hoffe, dass sich Dein Vorsatz erfüllt und wünsche Dir weiterhin viel Erfolg auf dem Weg eine „coole Sau“ zu werden.

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