Interview mit Alexander Tillner

Im April habe ich einige Interviews mit bloggenden Schülern geführt. Nun starte ich eine neue Interviewreihe  mit Referendaren, Lehrern und Kommilitonen, die kurz vor dem Ende des Lehramtstudiums stehen.

Die ersten Fragen zum Bildungssystem in Deutschland und zur Schülermotivation beantwortet Alexander Tillner. Er ist 24 Jahre alt, studiert Chemie und Geschichte und wird genau wie ich im nächsten Jahr das erste Staatsexamen abschließen.

1. Ein sehr ungewöhnlicher Name für deinen Blog – was hat dich inspiriert?

Nun ja, im Prinzip hat mich mein Spitzname inspiriert – „Tante Alex“! Der Ursprung dieses Spitznamens findet sich übrigens in dem fantastischen Sketch „Erziehung“ von Helge Schneider…

2. Warum startest du einen Blog?

„Na nen Blog hat doch jetzt jeder“….Hehe, nein ist natürlich Quatsch. Ich habe schon länger mit dem Gedanken gespielt, meinen eigenen Blog zu haben, um einfach meine Gedanken/Ansichten/Überlegungen mit anderen Interessierten zu teilen, zu besprechen oder sie einfach nur mal zu verschriftlichen.

3. Welchen Themen willst du dich widmen?

Ehrlich gesagt habe ich noch gar keine so genaue Vorstellung von dem, was ich in meinem Blog thematisch unterbringen möchte. Eigentlich alles, was mich generell interessiert. Also über Bildung, Chemie- und Geschichtsdidaktik, US-amerikanische Serien, Musik, Konzertreviews oder einfach was mir grad durch Kopf geht.

4. Du studierst Chemie und Geschichte – siehst du Verbindungspunkte in beiden Fächern?

Dadurch, dass es sich bei den Fächern um je eine Natur- bzw. Geisteswissenschaft handelt, gibt es sowohl methodisch als auch thematisch nicht so viele Verbindungen. Obwohl natürlich eine Betrachtung der Geschichte der Chemie oder der Rolle der Chemie in der Geschichte an einigen Stellen Sinn macht, man denke dabei zum Beispiel an die Opferzahlen im Ersten Weltkrieg, die wohl ohne die „Errungenschaften“ der Chemie weitaus weniger hoch ausgefallen wären. So lassen sich zumindest im Unterricht fächerübergreifende Aspekte thematisieren.

5. Als angehender Pädagoge: Was sagst du zur Bildungsmisere in Deutschland?

Also ich persönlich glaube, dass die größten Defizite zuallererst institutionelle und strukturelle Ursachen haben. Angefangen beim dreigliedrigen Schulsystem, der völlig überflüssigen Kultusministerkonferenz, dem föderalen System – was meiner Meinung nach in der Bildung überhaupt keinen Sinn macht -, der schlechten Lehrerausbildung, usw.

6. Welche Möglichkeiten siehst du, um dagegen anzukämpfen und wieder Lernmotivation bei den SuS auszulösen?

So lange sich die institutionellen Bedingungen des Lehrens in der Schule nicht verändern, hat man als Lehrer gegenwärtig wohl nur die Chance, allein vor der Klasse anzukämpfen. Dazu gehören meiner Meinung nach vor allem die Kenntnis motivations- und entwicklungspsychologischer Theorien, die es bei der Planung und Durchführung des Unterrichts unbedingt zu berücksichtigen gilt. Letztendlich glaube ich gar nicht, dass es sooo schwer ist, SuS für auf den ersten Blick nicht so spannende bzw. mit ihrem Leben offensichtlich verknüpfte Themen, zu begeistern. Man muss ihnen die Themen einfach angemessen verkaufen können. Dabei spielt natürlich die Lehrerpersönlichkeit eine wichtige Rolle, also bin ich natürlich auch darauf bedacht, diese mit wachsender Erfahrung immer weiter zu entwickeln.

7. Welche Motivation steckt in dir Lehrer zu werden?

Also an erster Stelle natürlich die Zusammenarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Ich hatte schon immer Spaß daran, Anderen Dinge zu erklären oder begreifbar zu machen. Außerdem halte ich den Lehrerberuf für sehr geeignet, um meinen persönlichen Beitrag zu der Gesellschaft, in der ich lebe, zu leisten. Weiterhin bietet mir der Lehrerberuf die Möglichkeit, zwei doch recht verschiedene fachliche Interessengebiete miteinander zu verbinden. Außerdem halte ich den Lehrerberuf für außerordentlich spannend und abwechslungsreich, trotz der eventuellen Widrigkeiten, die mit sich bringen mag…

8. Was hältst du von Teamteaching bzw. davon, dass Lehrer nicht mehr als Einzelgänger arbeiten sondern als Team sich z.B. Unterrichtsmaterialien austauschen?

Ich denke, dass das Zusammenarbeiten in Lehrer-Teams immer wichtiger werden wird in Anbetracht immer größer werdender Klassen und der steigenden Anzahl von zu unterrichtenden Wochenstunden. Hier scheint es mir unabdingbar, in einem konstruktiven Austausch mit Kollegen Arbeit zu teilen und sich gegenseitig zu unterstützen.

9. Was muss deiner Meinung nach in der Lehrerausbildung geändert werden?

Die Tendenz in der Lehrerausbildung sollte klar weg von fachlicher Spezialisierung, hin zur stärkeren Orientierung auf Didaktik, Psychologie und Erziehungswissenschaft gehen. Auch müssten die Praxisanteile im Studium stark erhöht werden. Es ist einfach zu spät, wenn ein angehender Lehrer im Referendariat merkt „Oh, da sind ja Kinder, mit denen kann ich aber gar nicht!“ Gleich ab den ersten Semesterferien in die Schule und ausprobieren, ob das wirklich der Job ist, den man 40 Jahre machen möchte.

10. Was sind deine guten Vorsätze für 2009?

An erster Stelle steht bei mir das möglichst gute Bestehen meines Ersten Staatsexamens. Weiterhin würde ich mir gern den Traum erfüllen, mal in die USA zu reisen, dafür werde ich hart arbeiten müssen, aber es ist auf jeden Fall ein Vorsatz.

Vielen Dank für Deine offenen Antworten. Für Deinen persönlichen Werdegang wünsche ich dir viel Erfolg.

2 Kommentare zu „Interview mit Alexander Tillner“

  1. Tolle Interviews.
    In diesem bin ich über die Antwort auf die Frage nach Veränderungen in der Lehrerausbildung gestoßen (9): „ob es wirklich der job ist, den man 40 Jahre machen möchte“.
    Was ich seit meinem Studium feststelle ist, dass Lehramt von vielen leuten mit einem ausgeprögten Sicherheitsdenken studiert wird, im Gegensatz zu denjenigen, die dieselbe oder sehr ähnliche Fächerkombination eben nicht auf Lehramt studieren… „Da werde ich verbeamtet und hab nen sicheren Job“.
    Natürlich ist Lehrer ein Erfahrungsberuf, aber sollten wir zukünftige Lehrer nicht auch darauf vorbereiten, dass es in Zukunft womöglich nicht mehr diese lebenslangen Karrieren geben wird?
    Bin mir da auch noch nicht endgültig sicher, aber vielleicht mal ne Diskussionsanregung ;-)?

  2. Das ist sicher eine interessante Diskussion. Prinzipiell entscheidet man sich doch aber erstmal für einen Beruf, in dem man mehrere Jahre tätig sein möchte. Und Alex hat ja nicht gesagt, dass er seinen Schülern vermittelt, dass es lebenslange Karrieren gibt.
    Ich zum Beispiel versuche auch offen zu sein für Neues und informiere mich über die sogenannten neuen und innovativen Ausbildungsberufe – schließlich sollte das auch den Schülern auf den Weg gegeben werden. Vor allem bin ich begeistert von dem Konzept der „Schülerfirma“.(http://www.nebs.de/)

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