Skandalös: Berliner Schüler baden Fehler der Senatsbildungsverwaltung aus

Die Bildungspolitik fordert zentrale Abschlussprüfungen, sei es das Zentralabitur oder nun auch die Prüfungen des mittleren Schulabschlusses. Wie das Lehrerkollegium die Schülerschaft in den Bundesländern auf die einheitlichen Prüfungen vorbereitet, ist in unserem förderalistischen Staat sehr different.

Nun haben sich seit 2005 in Berlin die zentralen Prüfungen des mittleren Schulabschlusses – kurz MSA – durchgesetzt. Die Aufgaben der vergangenen Jahre kann sich jeder frei auf der Seite der Senatsverwaltung downloaden.

Laut Zeitungsberichten heißt es nun, dass an knapp 15 Berliner Schulen die Prüflinge die Aufgaben der schriftlichen Matheprüfung kannten. Es fragt sich nur, wie konnte dieser Fehler der Senatsbildungsverwaltung unterlaufen? Wer ist dafür verantwortlich?

Derzeit gibt es wohl noch niemanden, der sich dazu bekennt. Die Bildungsverwaltung hat jedoch schnell eine Anzeige gegen unbekannt gestellt. Der Fauxpas bereitet aber nun nicht mehr nur Bauchschmerzen bei den Verantwortlichen, sondern auch bei rund 28.000 Schülern.

Diese sollen nun am 23.06.2008 noch einmal antreten und die Prüfung wiederholen. Das ist ja mal wieder typisch. Die Großen begehen Dummheiten und die Kleinen müssen darunter leiden. Ich finde diese Entscheidung sehr unpädagogisch. Vor allem werden alle Schüler bestraft, obwohl nur ein geringer Teil angeblich Kenntnis von den Aufgaben hatte.

Ich drücke die Daumen, dass der Landeselternausschuss diese, von mir empfundene, ungerechte Maßnahme juristisch abwenden kann. Eltern, macht euch stark für eure Schützlinge!

10 Kommentare zu „Skandalös: Berliner Schüler baden Fehler der Senatsbildungsverwaltung aus“

  1. Ich habe nur etwas von vorzeitig geöffneten Umschlägen gehört…Das wäre ja dann ja ein Betrugsversuch. Aber woher wissen sie das eigentlich? Waren die Ergebnisse zu gut?

  2. Tja, woher das die Presse weiß, steht nirgends. Ich vermute aber so etwas spricht sich doch schnell herum. Vielleicht haben auch Schüler, die die Aufgaben kannten, herumgeprahlt. Auf jeden Fall ist es unerhört, dass die Schülerschaft für etwas bestraft wird, woran sie nur indirekt teilhaben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Schüler waren, die die Briefe geöffnet und die Aufgaben verteilt haben. Ich bin ja mal gespannt wie sich dieses Desaster auflösen wird.

  3. Zumindest wirkt es sich jetzt aus, dass Schüler im Berliner Schulsystem nichts zu sagen haben außerhalb der Schule. Wir haben zwar eine Gesamtschülervertretung und einen Gesamtschülerausschuss, aber allein deren Organisation zeigt das Dilemma. Erster wird über mehrere Ebene organisiert und man muss immer alle Posten behalten (=Klassensprecher + (Schul)Schülervertretung + Bezirk + Gesamtschülervertretung), so dass es eigentlich mehr als ein Fulltimejob ist und die eigene Schulleistung ja auch noch irgendwo bleiben muss. Zweite Variante ist zwar direkt Basisdemokratisch, wird aber (deshalb?) nicht anerkannt, könnte aber mehr leisten.
    Bleibt auf die Eltern zu hoffen und vielleicht ziehen die Lehrer/Gewerkschaften ja mit.

  4. Musste grad laut lachen…

    In NRW dürfen jetzt 1700 Schüler ihr Mathe-Zentralabitur nachschreiben, weil eine Aufgabe zu schwer war (Aussage von Profs angeblich: „unlösbar“). Auch dort räumte das Bildungsministerium Fehler ein und dafür darf nachgeschrieben werden.
    Kleiner Unterschied: Die Teilnahme und damit die Chance auf Verbesserung oder Verschlechterung war freiwillig (N = ca.34.000). Aber das Abi ist ja auch schon 8 Wochen her und wer nicht mehr drin steckt, dürfte es schwer haben…und die mündlichen Nachprüfungen haben auch schon einigen geholfen…

    http://www.wdr.de/themen/wissen/bildung/schule/zentralabitur/uebersicht.jhtml

  5. Ich bin für zentrale Abschlussprüfungen. Das liegt zum Teil daran, dass ich in Bayern damit aufgewachsen bin und sie schon mal aus Gewohnheit für normal halte; bei meinem Abi vor über zwanzig Jahren war das bereits Routine.

    Allerdings müssen die Prüfungen sinnvoll durchgeführt werden. In NRW hat das diesmal ja ebenfalls nicht geklappt. Das sind wie in Berlin peinliche Fehler, die vermieden werden können.

    Es wird wohl so sein, dass ein Lehrer betrogen hat odr fahrlässig war. Vielleicht war’s auch sonst jemand mit Zugang zu den Unterlagen des (ausführenden oder die Aufgaben stellenden) Lehrers.

    Diese Frage ist für die Schüler aber egal. Ich weiß aber auch nicht, was es für eine bessere Lösung für den aktuellen Fall gibt, als dass alle nachschreiben. Alle Noten akzeptieren, so wie sie sind? Falsches Signal, rechtlich kaum haltbar. Nur die Noten der eindeutig betrügenden Schüler heruntersetzen? Da eine Grenze zu ziehen, halte ich für unmöglich.
    Ich höre mir aber gern Vorschläge an, was man tun könnte.

    Klar darf das nie wieder passieren, und daran muss Berlin arbeiten.

  6. Die Pannen bei den zentralen Prüfungen verstärken mich mal wieder in meinen Bedenken gegenüber zentralen Prüfungen. Gerade wenn ein Fehler passiert, wie jüngst in Berlin und NRW geschehen, sind die Auswirkungen dramatisch. Die Schülerschaft muss die Fehler ausbügeln, da gebe ich Herrn Rau sogar Recht, eine andere Möglichkeit sehe ich da auch nicht.
    Aber wozu zentrale Prüfungen? Sie sind doch nur Ausdruck einer scheinbaren Objektivität und Vergleichbarkeit. Gerade in Zeiten zunehmender Ausdifferenzierung der Schullandschaft (z.B. Schulprofile, eigene Budgetverantwortung) halte ich es für äußerst kontraproduktiv die Schulen alle in ein gleiches Leistungsschema pressen zu wollen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass ausgerechnet die Laborschule Bielefeld, die ohne Zensuren arbeitet, bei PISA bundesweit am besten abschnitt. Statt SchülerInnen durch unnötigen Leistungsdruck zu belasten, sollten tatsächlich Kompetenzen vermittelt werden (meinetwegen auch nach einem Bildungsstandard, der sich aber nicht auf Inhaltliches eines Faches ausrichten darf!), die durch Schulinspektionen überprüft werden könnten. Die zunehmende Ökonomisierung des Bildungswesens und in diesem Falle sogar mal zurecht kritisierungswürdige „Gleichmacherei“, dürfte nicht zum Ziel einer durchlässigen und zukunftsorientierten auf menschlichem Miteinander ausgerichteten Schullandschaft führen.

  7. Ohne Noten: Gerne! Das wäre aber ein zweiter Schritt. Solange es nun einmal Prüfungen mit Noten gibt (wie das Abitur), müssen die benotet werden, ob zentral gestellt oder nicht.

  8. Bisher konnte mir noch niemand erklären, wozu Zentralprüfungen gut sein sollen. Der einzige Vorteil:
    -Die Genehmigung der Prüfungsaufgaben fällt nur noch 1x an.

    Aber die Nachteile fallen mir spontan ein: -Berlin+NRW dieses Jahr;
    -die Objektivität die erscheint, ist nicht gegeben
    -„Learning for Testing“ versus humboldtschen Bildungsideal
    -erst will man Profilbildung und Differenzierung der Schulen/Schüler, dann verlangt man überall das Gleiche
    -das Niveau der Aufgaben sinkt, um allen eine Chance zu geben (wurde auch schon untersucht)
    -Argument „sind ja nur Kernfächer“: auch in Mathe und den NaWis könnte man andere Themen behandeln statt der so festgelegten (ggf. sogar Schülerorientierung… 😉 )

    Denkt man das Prinzip weiter und überträgt man das nur eine einzige Ebene höher, stellt sich damit prinzipiell auch die Frage, warum dann jedes Bundesland noch eine eigene (Zentral)Prüfung hat und es nicht eine bundesweite gibt…?!? Daraus ergäben sich auch wieder Auswirkungen auf die Lehrpläne und Inhalte (pardon Standards) bundesweit…
    Da freu ich mich schon in Geschichte auf Ludwig und August und die Bayern und Sachsen bestimmt über Friedrich… 😉

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