Hurra, Hurra die Schule bloggt!

Langsam, aber sicher, nähert sich auch die Schule dem etablierten Web 2.0. Gestern besuchte ich die von der Bundeszentrale für politische Bildung initiierte Subkonferenz Video-Blogs, die im Rahmen der Re-publica08 stattfand, der Konferenz, die Medien, Kultur, Politik und Technik miteinander verbindet.

Ab 10 Uhr haben Martin Riemer und Reinhard Dietrich Interessierte zu dem Workshop „Hurra, Hurra die Schule bloggt“ eingeladen. Die Teilnehmer des Workshops kamen aus sehr verschiedenen Bildungsbereichen. Ein Großteil kam aus dem E-Learning-Bereich, einige aus der Erwachsenenbildung und mit mir eingeschlossen nur drei junge Frauen, die zukünftig in den Schuldienst eintreten werden. Ebenfalls zugegen war Thomas Metschke, einer der Gründer der Community MeinProf.de.

referenten.jpg

Mit der Fragestellung „Die bloggende Schule – Unterwegs zu einer neuen Lernkultur?“ konzentrierte sich Reinhard Dietrich in seinem Vortrag vorrangig auf die Analyse von Schulblogdaten. Er berichtete von seinen ersten Forschungsergebnissen der sogenannten Schulblogosphäre.

bloggende-schule.jpg

Er beschrieb die Arten der bisher existierenden Schulblogs (kurz S-Blogs), sowie die Intention, die die verschiedenen Institutionen und Personen des Bildungswesens mit dem Web 2.0 und dem Bloggen verbinden. Er bemängelte, dass die Lehrerfortbildungsinstitute dem neuen Trend noch sehr hinterherhängen und dass es nur wenige Angebote für Lehrer in diesem Bereich gibt.

blogwachstum.jpg

Jedoch hat er festgestellt, dass sich in den alten Bundesländern die Lehrer mehr mit dem Umgang der neuen Medien befassen und das dort auch das Fortbildungsangebot in dieser Richtung stärker ausgebaut ist als in den neuen Bundesländern. Damit die Medienkompetenz bezüglich der Internetnutzung und die damit einhergehenden rechtlichen Sachverhalte den Schülern vermittelt werden können, sollten sich alle Pädagogen in diesem Bereich fortbilden.

eisberg.jpg

Martin Riemer, der Co-Referent, präsentierte in den noch wenigen Minuten ein Praxisbeispiel. Als ein Externer bot er der Friedrichshainer Hausburgschule an, dass er gemeinsam mit den Schülern der Klasse 2e ein Weblog gestalte. Begeistert schilderte der Internet-Projektleiter von seinen Erfahrungen, den Schwierigkeiten und der aktiven Mitarbeit der Schüler bei der Entwicklung eines von Lernenden gestalteten Weblogs.

Schade war, dass die Zeit für eine anschließende Diskussion nicht ausreichte. Ich weiß nicht wie es den anderen Teilnehmern erging, aber bei mir sind noch einige Fragen unbeantwortet. Unter anderem wurde die Frage hinsichtlich der neuen Lernkultur nur unzureichend geklärt. Sicherlich eröffnen sich neue Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung, wenn man Weblogs mit Schülern erstellt.

lernkultur.jpg

Jedoch konnte darauf aufgrund des Zeitmangels nicht intensiver eingegangen werden. Außerdem hätte mich interessiert auf welche Art und Weise und mit welchen Mitteln zum Beispiel das Institut für Medienintegration hinsichtlich dieses Trends die Schulen unterstützt. Desweiteren ist für mich offen geblieben, inwieweit die Fortbildungsinstitute bzw. das Lehrpersonal überhaupt ein Interesse daran haben, sich dem Bereich der Internetnutzung zu öffnen. Persönlich hätte ich auch gern mehr über die Motivation und Beweggründe der Teilnahme der Anwesenden erfahren.

Aber alles in allem möchte ich nicht zu den nörgelnden Deutschen gehören. Langsam ernährt sich der Fortschrittsgedanke des Bildungswesens. Der Workshop war sehr informativ und hat gezeigt, dass es Menschen im Bildungssektor gibt, die für Veränderung einstehen und verstaubte Lehrmethoden mit Elan reformieren.

4 Kommentare zu „Hurra, Hurra die Schule bloggt!“

  1. Rein theoretisch sieht es in Berlin gut aus. Infomatiklehrer werden ausgebildet, es ist ordentliches Schulfach an vielen Schulen und es gibt den „eEducation Masterplan“ von der zuständigen Senatsverwaltung.

    Nun zur Praxis…:
    Informatik als die zugehörige grundlegende Wissenschaft: Für einige Verwaltungsbeamte besteht Informatikunterricht aus „Word“, „Excel“ und
    „Powerpoint“. Das kann ja jeder und damit kann Informatikunterricht abgeschafft werden. Ja, in diesem Stil wird dort z.T. ernsthaft diskutiert…Sichtbare Kompetenz in der Verwaltung? Hm…
    „Masterplan“ (http://www.berlin.de/sen/bildung/schulorganisation/computer_und_medien/): Der wurde 2005 veröffentlicht, hat aber in der Entwicklung sicher vorher auch noch ein paar Runden gedreht. Es gibt darin 4 Ebenen (A-D) und zur Zeit, also nach numehr mindestens 3 Jahren, wird noch an den „Pflicht“modulen der A-Schiene gebastelt. Das es nur 7 Stück davon gibt und die meisten zu großen Teilen von Lehrgängen zum Computerführerschein Xpert übernommen wurden, sagt wohl einiges über die investierte Arbeit aus. Obwohl die praktische Weiterbildung an die Volkshochschulen ausgelagert wurde und somit hier keine Ressourcen verbraucht wurden…
    Das Angebot von Unis (endlich sinnvolle didaktische Arbeit mit Langzeitwirkung!), aktiv bei der Ausgestaltung mitzuwirken, wurde zwar nicht direkt abgelehnt, aber wie sich auf einmal Krankheiten häufen und Mails nicht mehr bei den zuständigen Leuten an(ge)kommen (sein sollen), ist schon erschreckend und faszinierend…
    Und dabei soll dieser Plan die Grundlage für die Aus- und Weiterbildung der Lehrer der anderen Fächer sein.

    Wille, Elan, Reform, Fortschritt? Hm…

  2. Also Du warst auch eine der drei SchuldienstanwärterIinnen.
    Gute Rückschau, danke. Ich habe auch dazu gebloggt, wenn auch nicht so ausführlich und Dich daher mal verlinkt.

  3. Pingback: hardblogging - re:publica 2008: Hurra, hurra, die Schule bloggt!

  4. Pingback: Literatenmelu » Hurra, Hurra die Schule bloggt! - Fortsetzung folgt, aber wo?

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll to Top