Handy-Kunde im Unterricht – muss das sein???

Die Erfurter Medienwissenschaftlerin Iren Schulz, welche an einer Studie über die Bedeutung von Handys in sozialen Beziehungen von Jugendlichen arbeitet, ist der Meinung, dass die Medienkompetenz der SchülerInnen durch eine Art Handy-Kunde gefördert werden muss. Welcher tiefere Sinn steckt dahinter? Der Umgang und das Besitzen eines Mobilfunkgerätes spielt bei den Jugendlichen heute eine sehr große Rolle. Dies hat Einfluss auf die Identitätsbildung der jungen Generation. Genau aus diesem Grund wurden unter anderem die Rahmenlehrpläne der Schulen geändert. Es wird nun der Fokus darauf gelegt, dass den Schülern nicht nur Wissen, sondern auch verschiedene Kompetenzen vermittelt werden sollen.

Aufgrund der schnellen Entwicklung in der technisierten Welt wird im Speziellen sehr viel Wert darauf gelegt, dass die Schüler vor allem den Umgang mit den Neuen Medien lernen, d.h. es soll ihnen die Medienkompetenz weitergegeben werden.

In dem Vorschlag einer sogenannten „Handy-Kunde“ sehe ich den falschen Ansatz. In welchem Fach soll denn der kritische Umgang mit dem Handy vermittelt werden?

Meines Erachtens nach verfügt man über eine Medienkompetenz, wenn man die Fähigkeit der aktiven Kommunikation besitzt, die Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen erlangt und kompetent rezipieren kann. Die Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung, die Fähigkeit zur Filterung und kompetenten Analyse audiovisueller Informationen mit dem Vorsatz der kritischen und emotional distanzierten Wahrnehmung kann vermittelt werden, wenn diverse Medien und deren Funktionsweise im Unterricht problematisiert werden.

Ich denke, dass es hierfür aber nicht notwendig ist eine Handy-Kunde aufzunehmen. Jeder Schüler weiß wie sein Mobilgerät funktioniert. Es ist daher wichtig sich mit den aktuellen diskussionswürdigen Themen im Unterricht auseinanderzusetzen, um den Schülern ein selbstbewusstes und beurteilendes Verhältnis zu den Medien beizubringen.

8 Kommentare zu „Handy-Kunde im Unterricht – muss das sein???“

  1. Das denke ich auch. Die Kids kennen Ihr Handy genau, was es kann und was nicht.
    Liegt die Problematik nicht mehr in Elternhaus als in der Schule?
    Soll hier die Schule Defizite aus dem Elternhaus kompensieren?

  2. Ich kann mir vorstellen, dass die genannte Dame vielleicht sogar einen ähnlichen Ansatz vertritt, aber so populistische Vorschläge erhalten oft mehr Aufmerksamkeit – und nur die bewegt zum Umdenken.

  3. Ich denke, dass es Wissen rund ums Handy gibt, dass auch in der Schule thematisiert werden sollte. So ist die Kenntnis über technische Details, wie z.B. Bluetooth, MMS oder SAR durchaus sinnvoll. Hier geht es um Datenschutz, Kostenbewusstsein, Technologie, Umweltschutz und Gesundheit. Vielfältiger könnte ein Thema kaum sein. Auch wird in Zukunft das Mobiltelefon eine immer größere Rolle in der Wirtschaft spielen und die Eigenschaft des Telefonierens dabei immer weiter in den Hintergrund rücken.
    Und wer bringt den Schülern bei, Tarife und Kostenfallen zu durchschauen? Sinnvolle Tarifvergleiche durchzuführen und nicht auf 1 Euro Angebote hereinzufallen?

  4. Es ist schon sehr interessant auf welchen Ebenen hier diskutiert wird. Zunächst möchte ich deine Frage beantworten, Holger.

    In der heutigen Zeit werden fast alle gesellschaftlichen, im speziellen familiären Probleme in die Schule transferiert. Ich frage mich auch manchmal was sollen Lehrer noch alles vermitteln? Welche Aufgaben übernehmen die Eltern heute? Ich denke auch, dass verantwortungsvolle Eltern sich darum kümmern sollten, dass sie ihre Kinder mit grundsätzlichen normativen Verhaltensweisen ausstatten müssten. Leider ist dies größtenteils nicht mehr gegeben – sicher gibt es Ausnahmen, aber viele Eltern sind so mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, dass die Kinder nebensächlich werden und dass viele nun die erzieherische Verantwortung zum Teil in die Schule abschieben. Die Schlussfolgerung: Schule ist nicht mehr nur Bildungsanstalt, sondern auch sozialer Brennpunkt.
    @ Chris: welchen Ansatz die Medienwissenschaftlerin vertritt, kommt aus dem Artikel nicht wirklich heraus: eins ist sicher – sie ist auch für eine Medienkompetenzerziehung, aber muss man das am Umgang mit dem Handy festmachen???
    @Christian W.: Du sprichst Themen an, die sicher auch im Unterricht problematisiert werden sollten, ich denke aber, dass vor allem die Eltern zuerst in der Pflicht sind, verantwortungsvoll zu handeln. Man kann einfach keinem Kind, welches in die Grundschule geht oder einem Jugendlichen ein Handy mit Vertrag schenken. Vielleicht sollten in erster Linie die Eltern in solchen Dingen beschult werden und dann die Kinder?!?

    So bin gespannt wie die Diskussion weitergeht.

  5. Ein Beobachter

    @Holger: mir bleibt an dieser Stelle nur die Feststellung, dass ich dir zustimmen muss, kann und natürlich will 🙂
    @Chris: ein interessantes Verständnis dieser Gesellschaft hast du, das muss ich schon sagen. Das man nur durch Populismus etwas erreichen kann, müßte uns allen zu denken geben bzw wirft ein nicht sonderlich gutes Bild auf diese Gesellschaft. zudem muss ich leider schon wieder feststellen, dass deine Aussage auch nicht mehr zu bieten hat
    @ChristianW. : dir kann ich leider nicht zustimmen, denn die von dir genannten Themen sind sicher spannend, jedoch gehören sie nicht in den Unterricht, da die Auswahl und Auswertung von Verträgen den Eltern obliegt und nicht dem Lehrer oder sollte sich derselbe auch noch um die Wahl der Kleidung kümmern (auch hier würden sich dann ähnlich absurde Fragestellungen auftun: welches Material : Polyester oder Baumwolle)
    @melanie: dir kann ich bedingt zustimmen, da sicher einige Themen, wie die Umweltbelastung, im Unterricht eine Rolle spielen können, jedoch muss ich an dieser Stelle auf den Konjunktiv bestehen
    LIEBE GRÜßE an ALLE
    ein Beobachter

  6. Zum Thema „soziale Beziehungen“ muss in der Schule ein großes Angebot vorhanden sein. Denn dort werden, denke ich, die meisten sozialen Beziehungen mehr oder weniger aufgebaut. Welches Medium dafür verwendet wird ist aber sekundär und wechselt mit der Mode und Technologie. Früher haben wir Zettelchen geschrieben, heute sind es sms und morgen…wer weiß.
    Ich denke, dass bei vielen Eltern eine „Beschulung“ aus verschiedenen Gründen nicht mehr funktioniert. Wir sollten also mit den Kindern anfangen, um mehr „schlaue“ Eltern in der nächsten Generation zu haben.

  7. An den Beobachter: Hast Du nur meine letzten beiden Sätze gemeint, oder stimmst Du den anderen Punkten auch nicht zu?
    Ich glaube sehr wohl, dass die Schüler auch in der Schule lernen müssen, Verträge zu beurteilen. Das betrifft ja nicht nur Mobilfunkverträge und natürlich ist auch die Grundschule dafür zu früh. Und wie gesagt, müssen auch die Eltern das Wissen irgendwo her bekommen.

  8. hallo Christian,
    ich finde deine Beiträge sehr anregend. Jedoch entfernen sie sich vom eigentlichen Thema. Es ging und geht eigentlich darum, dass die Schüler ein kritisches Bewusstsein erlangen im Umgang mit den Medien.
    Stichwort: Medienkompetenz.
    Was ich in meinem Beitrag zum Ausdruck bringen wollte, ist folgendes: Sicher muss die Schule bzw. der Unterricht mit dem aktuellen Zeitgeist mitgehen und die technischen Innovationen in die Fächer miteinbeziehen. Persönlich denke ich aber, dass den Schülern nicht vermittelt werden muss, was ihre Handys alles können und wie sinnvoll die technischen Details, wie z.B. Bluetooth, MMS oder SAR sind, sondern die Schüler müssen mit den problematischen Themen konfrontiert werden. Ich denke, dass man im Unterricht thematisieren sollte, dass Menschen ehrbare Wesen sind und dass sie weder nach Hautfarbe, Geschlecht, Kleidungsstil, körperlichen Beeinträchtigungen etc. auf- bzw. abgewertet werden, sondern, dass man den Menschen so akzeptiert wie er ist. Wie gesagt die Kritik liegt nicht an den Geräten selbst, sondern was damit passiert.
    Die Schüler haben einfach zu früh Kontakt mit pornografischem Material, Gewaltverherrlichungen und diskriminierenden Bildern. Diese Berührung mit diesen Themen über die neuen Medien muss kritisch den Schülern vermittelt werden.

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